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29.09.2026

Rentabilitätsvorschau erstellen: Aufbau, Beispiel und typische Fehler

Ob Bank, KfW oder Agentur für Arbeit: Wer gründet, einen Betrieb übernimmt oder einen Kredit braucht, muss früher oder später eine Rentabilitätsvorschau vorlegen. Sie zeigt, ob dein Vorhaben nach allen Kosten genug abwirft, um davon zu leben und Kredite zu bedienen. Viele scheitern dabei nicht an der Idee, sondern an Zahlen, die nicht zusammenpassen. Hier bekommst du den Aufbau, eine Anleitung in vier Schritten und ein durchgerechnetes Beispiel aus dem Handwerk.
Von: Michael Thiele
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Das Wichtigste in Kürze

  • Gemeint ist eine geplante Gewinn und Verlustrechnung, üblich für drei Geschäftsjahre.
  • Sie beantwortet, ob nach Wareneinsatz, Kosten, Zinsen und Steuern genug für Tilgung und deinen Lebensunterhalt übrig bleibt.
  • Banken, die KfW und die Agentur für Arbeit beim Gründungszuschuss verlangen sie als Teil des Finanzplans.
  • Alle Beträge werden ohne Mehrwertsteuer angesetzt, und jede Zahl braucht eine nachvollziehbare Begründung.
  • Die häufigsten Fehler sind ein zu schneller Umsatzanstieg und vergessene Kosten wie die private Absicherung.

Was ist eine Rentabilitätsvorschau?

Eine Rentabilitätsvorschau ist die Planung deiner Erträge und Aufwendungen für die kommenden Geschäftsjahre. Sie zeigt, ob dein Unternehmen voraussichtlich Gewinn erwirtschaftet und wie viel davon nach Zinsen, Steuern, Tilgung und privater Absicherung für dich übrig bleibt. Man kann sie als Gewinn und Verlustrechnung für die Zukunft verstehen. Üblich ist ein Zeitraum von drei Geschäftsjahren. So ist auch das Formular der KfW aufgebaut, das viele Banken bei Förderkrediten verwenden. Die Planung beginnt immer beim Umsatz und arbeitet sich Zeile für Zeile nach unten bis zu der Zahl, die für dich als Unternehmer am Ende zählt: dem Geld, das dir zum Leben bleibt. Wichtig ist die Abgrenzung zu deiner Buchhaltung. Die Buchhaltung dokumentiert, was passiert ist. Die Vorschau beschreibt, was du auf Basis begründeter Annahmen erwartest. Sie ist also keine exakte Vorhersage, sondern eine Rechnung, die zeigt, dass du dein Geschäftsmodell durchdacht hast.

Wofür brauchst du eine Rentabilitätsvorschau?

Du brauchst diese Planung immer dann, wenn jemand anderes über Geld für dein Vorhaben entscheidet: die Bank beim Kredit, die KfW bei Förderdarlehen und die Agentur für Arbeit beim Gründungszuschuss. Vor allem aber brauchst du sie selbst, um zu prüfen, ob sich deine Idee rechnet, bevor du investierst. Die Bank will aus deinen Zahlen ablesen, ob du Zinsen und Tilgung dauerhaft tragen kannst. Deshalb schaut sie nicht nur auf den Gewinn, sondern darauf, was nach Steuern und privaten Ausgaben noch übrig bleibt. Die KfW stellt dafür ein eigenes Formular bereit, das bei Förderkrediten über die Hausbank eingereicht wird. Beim Gründungszuschuss prüft zunächst eine fachkundige Stelle die Tragfähigkeit deines Vorhabens, danach entscheidet die Agentur für Arbeit. Grundlage ist dein Businessplan mit Kapitalbedarf, Finanzierung sowie Umsatz und Rentabilitätsplanung. Was darüber hinaus in diesen Plan gehört, beschreibt der Beitrag zum Businessplan für den Gründungszuschuss. Auch bestehende Betriebe brauchen die Planung: vor einer größeren Investition, bei einer Betriebsübernahme oder wenn die Bank vor einer Kreditverlängerung wissen will, wie es weitergeht.

Wie ist eine Rentabilitätsvorschau aufgebaut?

Eine Rentabilitätsvorschau folgt einer festen Reihenfolge: Vom Nettoumsatz ziehst du den Wareneinsatz ab und erhältst den Rohertrag. Davon gehen die laufenden Kosten ab, dann Zinsen und Steuern. Übrig bleibt der Jahresüberschuss, aus dem noch Tilgung und private Absicherung bezahlt werden müssen, bevor feststeht, was dir zum Leben bleibt. Das KfW Formular gliedert die laufenden Kosten sehr kleinteilig: Personalkosten mit Lohnnebenkosten, Miete, Energie, Werbung, Fahrzeugkosten, Reisekosten, Telefon und Internet, Büromaterial, Verpackung, Reparaturen, Versicherungen, Beiträge für Kammern und Verbände, Leasing, Buchführung und Beratung sowie sonstige Aufwendungen. Diese Liste ist auch dann eine gute Checkliste, wenn du mit einer eigenen Vorlage arbeitest, weil sie zeigt, welche Posten gern vergessen werden. Zwei Zeilen verwirren viele Gründer. Die erste ist die Tilgung. Sie ist kein Aufwand, der deinen Gewinn mindert, muss aber trotzdem aus dem Gewinn bezahlt werden. Deshalb steht sie unter dem Jahresüberschuss. Die zweite ist dein eigenes Gehalt. Als Einzelunternehmer zahlst du dir kein Gehalt, das als Kosten gebucht wird. Dein Lebensunterhalt kommt aus dem, was am Ende übrig bleibt. Im KfW Formular heißt diese letzte Zeile verfügbares Einkommen. Ein Geschäftsführergehalt als eigene Kostenposition ist dort nur bei einer GmbH vorgesehen.

Rentabilitätsvorschau erstellen: So gehst du in vier Schritten vor

Du erstellst eine Rentabilitätsvorschau in vier Schritten: Zuerst planst du realistisch deinen Umsatz, dann den Wareneinsatz, danach alle laufenden Kosten und zuletzt Zinsen, Steuern, Tilgung und deinen privaten Bedarf. Jede Zahl braucht eine Begründung, die du im Gespräch mit Bank oder Berater erklären kannst. Schritt 1: Umsatz planen. Der Umsatz ist die wichtigste und zugleich unsicherste Zahl. Leite ihn nicht aus einem Wunschergebnis ab, sondern aus deiner Kapazität. Im Handwerk heißt das: Wie viele Stunden kannst du tatsächlich abrechnen, und zu welchem Satz? Im Handel: Wie viele Kunden, mit welchem durchschnittlichen Auftragswert? Plane eine Anlaufphase ein, denn kaum ein Betrieb ist im ersten Monat ausgelastet. Schritt 2: Wareneinsatz ansetzen. Material und Handelsware steigen mit dem Umsatz. Setze sie deshalb als Anteil vom Umsatz an und begründe den Anteil mit Erfahrungswerten aus deiner Branche oder mit Angeboten deiner Lieferanten. Schritt 3: Laufende Kosten sammeln. Hier helfen echte Angebote mehr als Schätzungen: ein Mietangebot für die Werkstatt, ein Versicherungsangebot, ein Leasingangebot für das Fahrzeug. Arbeite die Kostenliste des KfW Formulars Posten für Posten ab. Schritt 4: Zinsen, Steuern und privaten Bedarf ergänzen. Zinsen und Tilgung ergeben sich aus deinem Finanzierungsplan. Die Einkommen und Gewerbesteuer lässt du am besten von deinem Steuerberater schätzen. Rechne anschließend nach, ob das verfügbare Einkommen deine Krankenversicherung, Altersvorsorge und Lebenshaltung tatsächlich deckt. Als Vorlage eignet sich das kostenlose Formular der KfW oder eine eigene Tabelle, die denselben Aufbau hat. Welche du nutzt, ist zweitrangig. Entscheidend ist, dass die Zahlen zu deinem Kapitalbedarf und deinem Finanzierungsplan passen.

Rentabilitätsvorschau Beispiel: ein Malerbetrieb im ersten Jahr

Das folgende Beispiel zeigt eine vereinfachte Gewinnplanung für einen Malermeister, der sich allein selbstständig macht. Alle Zahlen sind angenommen. Das Beispiel dient als Muster für die Rechenlogik, nicht als Vorlage für deine Werte, denn die musst du aus deiner eigenen Situation begründen können. Geschäftsjahr 1, alle Beträge netto:
  • Nettoumsatz: 120.000 Euro
  • Wareneinsatz (Material): 30.000 Euro, damit ergibt sich ein Rohertrag von 90.000 Euro
  • Laufende Kosten für Werkstatt, Fahrzeug, Versicherungen, Werbung, Buchführung und Sonstiges: 28.000 Euro, damit ergibt sich ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 62.000 Euro
  • Zinsen für den Gründerkredit: 1.500 Euro, Steuern laut Schätzung des Steuerberaters: 14.000 Euro, damit ergibt sich ein Jahresüberschuss von 46.500 Euro
  • Tilgung: 6.000 Euro
  • Private Absicherung für Kranken und Pflegeversicherung sowie Altersvorsorge: 9.600 Euro
  • Verfügbares Einkommen: 30.900 Euro im Jahr, also rund 2.575 Euro im Monat
Jetzt kommt der wichtigste Teil, die Plausibilitätsprüfung. Nach Abzug des Materials bleiben 90.000 Euro, die über die Arbeitszeit verdient werden müssen. Bei angenommenen 60 Euro netto je Stunde sind das 1.500 abrechenbare Stunden im Jahr, bei 45 Arbeitswochen also gut 33 Stunden pro Woche. Angebote, Fahrten, Einkauf und Büroarbeit kommen noch obendrauf. Für einen Soloselbstständigen ist das eine volle Auslastung, und genau diese Frage wird dir eine Bank stellen. Die zweite Prüfung betrifft dich privat: Reichen 2.575 Euro im Monat für Miete, Lebenshaltung und Rücklagen? Wenn nicht, muss die Planung angepasst werden, über Preise, Kosten oder den Umfang des Kredits. Für das zweite und dritte Geschäftsjahr gilt dieselbe Logik. Stellt der Betrieb zum Beispiel einen Gesellen ein, steigt der Umsatz, aber auch die Personalkosten mit allen Lohnnebenkosten. Die Frage bleibt jedes Jahr dieselbe: Was bleibt am Ende übrig?
Schwarzer Brauberg Rechner liegt neben Maßband, Bleistift und Schere auf einem Schreibtisch mit Papierunterlagen.

Welche Fehler fallen Bank und fachkundiger Stelle sofort auf?

Die häufigsten Fehler sind ein Umsatz, der ohne Begründung sprunghaft steigt, vergessene Kosten, fehlende private Absicherung und Zahlen, die nicht zum restlichen Businessplan passen. Wer Planungen beruflich prüft, kennt die typischen Werte einer Branche und erkennt solche Schwächen schnell, oft schon beim ersten Durchblättern. Umsatz ab dem ersten Monat auf Vollgas. Kaum ein neuer Betrieb ist sofort ausgelastet. Eine Planung ohne Anlaufphase wirkt unrealistisch, auch wenn die Jahreszahl am Ende erreichbar wäre. Brutto und Netto gemischt. Im KfW Formular werden alle Beträge ohne Mehrwertsteuer angegeben. Wer einzelne Kosten brutto und den Umsatz netto ansetzt, verfälscht das Ergebnis. Private Absicherung vergessen. Krankenversicherung und Altersvorsorge sind für Angestellte selbstverständlich über das Gehalt geregelt. Als Selbstständiger zahlst du sie aus deinem verfügbaren Einkommen. Fehlt diese Zeile, sieht die Planung besser aus, als sie ist. Eigenes Gehalt doppelt gezählt. Einzelunternehmer tragen sich manchmal selbst unter Personalkosten ein und rechnen den Lebensunterhalt danach noch einmal vom Überschuss ab. Das drückt das Ergebnis künstlich nach unten. Widersprüche zu anderen Plänen. Der Kredit im Finanzierungsplan muss sich in Zinsen und Tilgung wiederfinden, die Investitionen aus dem Kapitalbedarfsplan in den Kosten. Solche Brüche fallen Prüfern zuerst auf.

Rentabilitätsvorschau oder Liquiditätsplan: Was ist der Unterschied?

Die Rentabilitätsvorschau zeigt, ob dein Unternehmen über das Jahr gesehen Gewinn macht. Der Liquiditätsplan zeigt, ob zu jedem Zeitpunkt genug Geld auf dem Konto ist. Beides kann auseinanderfallen, etwa wenn Kunden spät zahlen oder du eine teure Maschine sofort bezahlst, deren Kosten sich auf mehrere Jahre verteilen. Ein Betrieb kann deshalb auf dem Papier profitabel sein und trotzdem in einen Engpass geraten. Banken und Förderstellen wollen darum in der Regel beide Pläne sehen. Wie sie zusammen mit dem Kapitalbedarfsplan die gesamte Finanzplanung bilden, beschreibt der Beitrag zur Finanzplanung für dein Startup.

Deine Planung mit Praxisblick prüfen lassen

Du hast eine erste Rentabilitätsvorschau erstellt und bist unsicher, ob sie einer Prüfung standhält? Michael Thiele bringt 25 Jahre eigene unternehmerische Erfahrung mit und unterstützt Gründer, Handwerksbetriebe und kleine Unternehmen im Großraum Stuttgart dabei, Zahlen aufzubauen, die Bank und Förderstellen überzeugen. In vielen Fällen lassen sich Fördermittel für die Beratung beantragen. Vereinbare ein kostenloses Erstgespräch und bring deine Zahlen einfach mit.

Über den Autor:

Michael Thiele
Business Coach
Seit 2005 unterstützt Ipsum Consulting Gründer, Handwerksbetriebe und kleine bis mittelständische Unternehmen dabei, ihre Ziele zu erreichen. Mit 25 Jahren eigener unternehmerischer Erfahrung kenne ich die Herausforderungen von Existenzgründern und etablierten Betrieben aus erster Hand.

Häufige Fragen zur Rentabilitätsvorschau

Gibt es eine kostenlose Vorlage für die Rentabilitätsvorschau?

Ja. Die KfW stellt ihr Formular dafür kostenlos als PDF bereit, mit drei Spalten für drei Geschäftsjahre und allen gängigen Kostenpositionen. Auch viele Kammern bieten Vorlagen oder Checklisten an. Eine eigene Tabelle ist ebenso zulässig, solange sie denselben Aufbau hat und jede Zahl begründet ist. Wichtiger als die Form ist, dass die Werte zu Kapitalbedarf und Finanzierung passen.

Wie viele Jahre umfasst eine Rentabilitätsvorschau?

Üblich sind drei Geschäftsjahre, so ist auch das KfW Formular angelegt. Das erste Jahr ist dabei am genauesten zu begründen, weil dort die Anlaufphase liegt. Für die Folgejahre reichen nachvollziehbare Annahmen zur Entwicklung von Umsatz und Kosten. Fordert deine Bank einen anderen Zeitraum oder eine feinere Aufteilung, richtest du dich nach ihrer Vorgabe.

Rechne ich mit Brutto oder Nettobeträgen?

Mit Nettobeträgen, also ohne Mehrwertsteuer. Das KfW Formular schreibt das ausdrücklich vor, und es gilt für Umsatz und Kosten gleichermaßen. Wenn du als Kleinunternehmer keine Vorsteuer abziehen kannst, sprich mit deinem Steuerberater darüber, wie du deine Kosten ansetzt, denn dann ist die gezahlte Mehrwertsteuer für dich echter Aufwand.

Was mache ich, wenn meine Planung im ersten Jahr einen Verlust zeigt?

Ein Verlust im ersten Jahr ist nicht automatisch ein Ausschlussgrund. Er muss aber begründet sein, etwa durch Anlaufkosten, und die Folgejahre müssen einen klaren Weg in den Gewinn zeigen. Außerdem muss deine Finanzierung die Durststrecke abdecken. Zeigt die Planung dagegen dauerhaft Verluste, ist das ein Signal, Preise, Kosten oder das Geschäftsmodell zu überarbeiten.

Was ist eine Umsatz und Rentabilitätsvorschau?

Gemeint ist die Kombination aus Umsatzplanung und Gewinnplanung. Die Umsatzplanung leitet her, wie der Umsatz zustande kommt, zum Beispiel über Stunden und Stundensatz oder über Kunden und Auftragswerte. Die Gewinnplanung rechnet diesen Umsatz bis zum verfügbaren Einkommen durch. Beim Gründungszuschuss werden beide häufig gemeinsam verlangt, weil erst die Umsatzherleitung die Gewinnzahlen glaubwürdig macht.

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